Terrassenüberdachung · Ratgeber
Schneelast bei Terrassenüberdachungen: die Werte für Oberschwaben, Allgäu und Bodensee

Zwischen Bodenseeufer und Allgäu liegen keine 60 Kilometer. Bei der Schneelast trennt beide Welten trotzdem fast das Sechsfache: In Konstanz verlangt die Norm rund 65 Kilogramm je Quadratmeter, in Kempten rund 375. Kaum eine Region in Deutschland hat eine so große Spannweite. Genau deshalb gibt es auf die Frage „Wie stabil muss meine Terrassenüberdachung sein?" keine pauschale Antwort, sondern nur eine ortsgenaue. In diesem Ratgeber findest du die Norm-Werte für 30 Städte unserer Region, verständlich erklärt, und die Faktoren am eigenen Haus, die über die tatsächliche Last entscheiden.
Das Wichtigste in Kürze
- Die Schneelast ist keine Herstellerangabe, sondern eine Norm-Anforderung (DIN EN 1991-1-3): Sie ergibt sich aus der Schneelastzone und der Höhenlage deines Orts.
- In unserer Region reicht die Spanne von rund 65 kg/m² (Konstanz, Radolfzell, Friedrichshafen) bis rund 375 kg/m² (Kempten). Hier geht es direkt zur Tabelle mit allen 30 Städten.
- Der Zonenwert ist die Mindestanforderung deines Standorts, nicht die Traglast-Grenze deines Dachs. Was das Dach trägt, steht im Statiknachweis.
- Der Ortswert ist nur der Ausgangspunkt: Hausseite, Dachneigung, Fallhöhe und Giebelbreite entscheiden mit, wie viel Schnee tatsächlich auf dem Dach landet.
- Ein korrekt ausgelegtes Dach muss im normalen Winter nicht abgeräumt werden.
- Wir legen jedes Dach auf den Wert der konkreten Adresse und die Situation am Haus aus. Daraus ergeben sich die Verstärkungen, die dein Standort verlangt.
Was Schneelast bedeutet
Die Schneelast beschreibt, mit welchem Schneegewicht ein Bauwerk an einem Ort rechnen muss. Grundlage ist die Norm DIN EN 1991-1-3: Deutschland ist in Schneelastzonen 1 bis 3 eingeteilt, und innerhalb jeder Zone steigt der Wert mit der Geländehöhe. Aus Zone und Höhenlage ergibt sich die charakteristische Schneelast am Boden, aus der die Anforderung an das Dach abgeleitet wird.
Angegeben wird sie in Kilonewton je Quadratmeter. Die Faustregel: 1 kN/m² entspricht rund 100 kg je Quadratmeter. Das klingt abstrakt, wird aber schnell konkret: Auf einem Terrassendach von 5 × 3 Metern in Wangen im Allgäu (rund 285 kg/m²) liegen im Bemessungsfall über vier Tonnen. Entscheidend ist dabei die Schneeart: Trockener Pulverschnee ist leicht, nasser Schnee oder Schneeregen auf Altschnee wird schwer. Deshalb sagt die Schneehöhe allein wenig aus.
Der häufigste Irrtum: „Zone 2 heißt, mein Dach trägt 85 Kilo"
Diese Erklärung kursiert in etlichen Ratgebern, und sie ist falsch herum gedacht.
Ein sauber ausgelegtes Dach in Wangen trägt ein Vielfaches dessen, was ein Bodensee-Dach tragen muss; beide sind richtig dimensioniert, weil beide den Wert ihres Orts erfüllen.
Die Norm-Werte je Stadt
Die folgenden Werte sind nach der Zonenformel der Norm für die Höhenlage des jeweiligen Stadtzentrums gerechnet und auf 5 kg gerundet. Ortsteile in deutlich anderer Höhenlage können abweichen; den Wert für deine Adresse prüfen wir im Beratungsgespräch.
| Stadt | Zone | Höhenlage | Norm-Wert je m² |
|---|---|---|---|
| Allgäu | |||
| Kempten | 3 | 677 m | rund 375 kg |
| Leutkirch | 3 | 655 m | rund 355 kg |
| Wangen im Allgäu | 3 | 563 m | rund 285 kg |
| Memmingen | 2 | 599 m | rund 210 kg |
| Alb & Schwarzwald-Baar | |||
| Albstadt (Ebingen) | 2 | 727 m | rund 280 kg |
| Villingen-Schwenningen | 2 | 711 m | rund 270 kg |
| Donaueschingen | 2 | 688 m | rund 255 kg |
| Emmingen-Liptingen | 1 | 759 m | rund 150 kg |
| Tuttlingen | 1 | 645 m | rund 120 kg |
| Oberschwaben | |||
| Bad Waldsee | 1 | 590 m | rund 105 kg |
| Bad Saulgau | 1 | 587 m | rund 105 kg |
| Sigmaringen | 1 | 583 m | rund 105 kg |
| Herbertingen | 1 | 558 m | knapp 100 kg |
| Biberach | 1 | 536 m | rund 95 kg |
| Riedlingen | 1 | 541 m | rund 95 kg |
| Laupheim | 1 | 512 m | rund 90 kg |
| Ehingen | 1 | 514 m | rund 90 kg |
| Weingarten | 1 | 467 m | rund 80 kg |
| Ravensburg | 1 | 430 m | rund 70 kg |
| Ulm & Umland | |||
| Senden | 1 | 488 m | rund 85 kg |
| Ulm | 1 | 479 m | rund 80 kg |
| Neu-Ulm | 1 | 473 m | rund 80 kg |
| Bodensee | |||
| Tettnang | 2 | 469 m | rund 150 kg |
| Lindau | 2 | 402 m | rund 125 kg |
| Stockach | 1 | 483 m | rund 80 kg |
| Überlingen | 1 | 413 m | rund 70 kg |
| Singen | 1 | 428 m | rund 70 kg |
| Friedrichshafen | 1 | 405 m | rund 65 kg |
| Konstanz | 1 | 403 m | rund 65 kg |
| Radolfzell | 1 | 399 m | rund 65 kg |
25 Kilometer, vierfache Last: warum der Ort alles entscheidet
Das eindrücklichste Beispiel liegt direkt vor unserer Haustür: Ravensburg (Zone 1, 430 m) kommt auf rund 70 kg/m². Wangen im Allgäu, mit dem Auto nur gut 25 Minuten entfernt, liegt in Zone 3 auf 563 m und verlangt rund 285 kg/m². Gleiches Wetter im Fernsehen, vierfache Anforderung ans Dach.
Auch innerhalb einer Zone macht die Höhenlage viel aus: Tuttlingen liegt in Zone 1, aber auf 645 m, und braucht mit rund 120 kg/m² fast das Doppelte von Ravensburg. Wer sein Dach nach einer pauschalen „Zone-1-Ausführung" kauft, kann also trotzdem falsch liegen. Und im Allgäu gilt die ehrliche Ansage: Kempten und Leutkirch gehören mit 355 bis 375 kg/m² zu den anspruchsvollsten Wohnlagen Deutschlands. Dort entscheidet die Statik über die Systemwahl, nicht der Katalog.
Der Ortswert ist der Anfang, nicht das Ende
Die Zahl aus der Tabelle beschreibt den Schnee, der an deinem Ort auf ebenem Boden liegt. Was dein Terrassendach am Ende wirklich tragen muss, entscheidet sich am Haus. Zwei Nachbarn in derselben Straße können deshalb sehr unterschiedliche Konstruktionen brauchen.
Die erste Frage ist immer, an welcher Hausseite das Dach sitzt. An der Traufseite läuft die Dachfläche des Hauses auf die Überdachung zu: Löst sich dort die Schneedecke, rutscht sie ab und landet gebündelt auf einem schmalen Streifen deines neuen Dachs. An der Giebelseite entfällt dieser Anteil, weil die Dachflächen vom Anbau wegführen.
Wo mit abrutschendem Schnee zu rechnen ist, kommen weitere Größen dazu:
- Dachneigung des Hauses: Je steiler das Dach, desto eher kommt die Schneedecke überhaupt in Bewegung.
- Fallhöhe: der Höhenunterschied zwischen der Traufe des Hauses und dem Terrassendach. Je größer er ist, desto härter der Aufprall.
- Halbe Giebelbreite: Sie sagt, wie viel Dachfläche ihren Schnee überhaupt in Richtung Anbau abgeben kann. Ein breites Haus schiebt mehr nach unten als ein schmales.
- Dacheindeckung und Schneefang: Glatte Ziegel oder Blech lassen den Schnee früher rutschen, ein vorhandener Schneefang hält ihn oben.
Deshalb fragen wir im Beratungsgespräch nach Hausseite, Dachneigung und Höhen und sehen uns Fotos oder den Grundriss an. Ohne diese Angaben lässt sich seriös nicht sagen, welche Konstruktion an deinem Haus die richtige ist. Wer dir ein Terrassendach allein anhand der Postleitzahl auslegt, hat die Hälfte der Rechnung ausgelassen.
Am Bodensee zählt der Wind mehr als der Schnee
Die Seestädte haben die niedrigsten Schneewerte der Region, das ist die gute Nachricht. Die Auslegung wird dort trotzdem nicht trivial: Am See gilt die höhere Windzone 2, offene Uferlagen bekommen kräftige Böen ab. Für die Konstruktion heißt das solide Verankerung und windgerecht geplante Seitenelemente. Wenig Schnee ist also kein Freifahrtschein, es verschiebt nur die maßgebliche Last.
Was das für dein Terrassendach bedeutet
Aus dem Norm-Wert deiner Adresse und den Zuschlägen am Haus folgt die komplette Auslegung: Profilquerschnitte, Sparrenabstände, Verglasung und Befestigung. Eine eigene Statik braucht dein Dach dafür in aller Regel nicht. Das System hat eine Typenstatik, die der Hersteller führt; was je Projekt dazukommt, sind die Verstärkungen, die dein Standort verlangt: Stahleinschübe in den Profilen, biegesteife Ecken, engere Sparrenabstände. Woran du Qualität darüber hinaus erkennst, liest du im Ratgeber Was eine hochwertige Terrassenüberdachung ausmacht.
Bei uns fließt der Wert deiner Adresse von Anfang an in Beratung und Planung ein: Wir legen jedes Dach auf die Norm deines Standorts aus, vom Bodenseeufer bis nach Kempten.
Schnee räumen: ja oder nein?
Ein korrekt ausgelegtes Dach trägt den Bemessungsschnee seines Orts, ohne dass du räumen musst. Sinnvoll ist trotzdem: Laub aus Rinnen und Abläufen entfernen, bevor der Winter kommt, damit Schmelzwasser abfließen kann. Bei außergewöhnlichen Mengen nassen Schnees, wie sie alle paar Jahre vorkommen, kannst du das Dach vom Boden oder von der Leiter aus abkehren. Übrigens, anders als oft behauptet: Unsere Terrassendächer halten es problemlos aus, betreten zu werden — bei der Montage stehen zeitweise mehrere Monteure auf dem Dach. Wer hinaufsteigt, sollte trotzdem umsichtig sein: Schnee auf Glas ist rutschig.
Fazit
Unsere Region deckt fast die gesamte Schneelast-Spannweite Deutschlands ab, von rund 65 kg/m² am Bodensee bis rund 375 kg/m² in Kempten. Die eine richtige Terrassenüberdachung für alle Orte gibt es deshalb nicht, wohl aber für jeden Ort die richtig ausgelegte. Der erste Schritt ist immer derselbe: den Norm-Wert deiner Adresse kennen. Der zweite ist der Blick aufs Haus, denn erst Hausseite, Dachneigung und Fallhöhe ergeben die Last, die im Winter wirklich auf dem Dach liegt. Die Tabelle oben gibt dir die Orientierung, den exakten Wert und die passende Auslegung klären wir im Beratungsgespräch, gern auch direkt in einer unserer Ausstellungen.
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