Lamellendach · Ratgeber
Lamellendach im Winter: Schnee, Frost und die richtige Lamellenstellung

Wer sich über die Schneelast von Lamellendächern informiert, liest an einer Stelle 50 Kilogramm je Quadratmeter und an der nächsten 350. Ohne dass irgendwo steht, woher der Unterschied kommt. Das sieht nach einem gewaltigen Qualitätsgefälle zwischen den Systemen aus, ist aber keins: Die beiden Zahlen beschreiben schlicht zwei verschiedene Dinge. Wer sie verwechselt, hält sein Dach für wintersicherer, als es ist. Dieser Ratgeber sortiert die Werte, hält den Wert dagegen, den die Norm an deiner Adresse verlangt, und sagt dir, in welcher Stellung die Lamellen im Winter stehen.
Das Wichtigste in Kürze
- Traglast der Konstruktion und zulässige Schneelast sind zwei verschiedene Werte. Die Kataloge nennen je nach Baureihe 230 bis 350 kg/m² Traglast. Auf den geschlossenen Lamellen liegen dürfen aber nur rund 50 bis 90 kg/m².
- Die zulässige Schneelast hängt von der Baugröße ab: beim größten Dach rund 50 kg/m², bei kleineren Dächern mehr.
- Bei Schneefall gehören die Lamellen geöffnet, senkrecht in 90-Grad-Stellung. Wichtig ist der Zeitpunkt: Liegt der Schnee erst einmal auf den geschlossenen Lamellen, werden sie nicht mehr bewegt. Die Stellungen im Überblick: Lamellenstellung im Winter.
- Bei Frost und Vereisung darf das Dach nicht bedient werden. Das ist nach unserer Erfahrung der häufigste Winterschaden, häufiger als alles, was mit Schnee zu tun hat.
- Ein Lamellendach ist nicht begehbar. Schnee wird durch Öffnen der Lamellen los, nicht durch Räumen von oben.
- Über die Konstruktion entscheidet der Norm-Wert deines Orts. In Kempten und Leutkirch liegt er über dem, was die Kataloge abdecken.
Wie viel Schnee hält ein Lamellendach aus?
Weniger, als die großen Zahlen in den Prospekten vermuten lassen, und die Antwort hängt von der Größe deines Dachs ab. Bei den Herstellern, die den Wert überhaupt sauber ausweisen, liegt die zulässige Schneelast auf den geschlossenen Lamellen zwischen rund 35 und 160 Kilogramm je Quadratmeter. Für die Lamaxa-Systeme von Warema, die wir verbauen, sind es rund 90 Kilogramm je Quadratmeter bei einem Dach von 5 × 4 Metern und rund 50 Kilogramm beim größten Dach mit 6,0 × 4,5 Metern. Bei kleineren Dächern steigt der Wert.
Der Grund ist derselbe wie bei einem Regalbrett: Je größer die Spannweite, desto weniger darf je Quadratmeter darauf liegen. Deshalb gibt es beim Lamellendach keine einzelne Schneelast-Zahl, sondern eine, die zu deiner Baugröße gehört.
In Zentimetern gerechnet heißt das: 50 Kilogramm je Quadratmeter sind etwa ein halber Meter trockener Pulverschnee, aber nur gut zehn Zentimeter nasser Schnee. Nasser Schnee ist der kritische Fall, weil er bei gleicher Höhe ein Vielfaches wiegt. Ein Wintermorgen mit zwei Zentimetern Neuschnee auf dem geschlossenen Dach ist also unkritisch. Drei Tage Dauerschneefall sind es nicht.
Der häufigste Irrtum: „Es trägt 350 Kilo, also hält es jeden Winter"
Die 350 Kilogramm stehen in vielen Prospekten, und sie stimmen sogar. Sie beschreiben nur etwas anderes.
Genau das passiert im Netz laufend. In etlichen Ratgebern wird die Traglast als Schneelast ausgegeben, mit Werten zwischen 200 und 460 Kilogramm je Quadratmeter, teils garniert mit Umrechnungen wie „zwei Meter Pulverschnee". Das ist um ein Vielfaches zu hoch und führt Bauherren in eine falsche Sicherheit.
Dazu kommt, dass nur wenige Hersteller beide Werte getrennt veröffentlichen. Die anderen nennen eine einzige Zahl ohne Bezugsgröße, und Vergleichsportale mischen dann Prüfwert und Betriebswert derselben Marke. Die wilde Spanne, auf die du beim Vergleichen stößt, ist deshalb in erster Linie ein Durcheinander der Bezugsgrößen und kein Qualitätsgefälle.
Was die Norm an deinem Ort verlangt
Die Norm DIN EN 1991-1-3 gibt für jeden Ort eine Schneelast vor. Sie ergibt sich aus der Schneelastzone und der Höhenlage, und in unserer Region liegen die Werte weit auseinander: von rund 65 kg/m² am Bodenseeufer bis rund 375 kg/m² in Kempten.
| Stadt | Norm-Wert je m² | Von der Traglast gedeckt |
|---|---|---|
| Bodensee | ||
| Friedrichshafen | rund 65 kg | jede Baureihe |
| Lindau | rund 125 kg | jede Baureihe |
| Tettnang | rund 150 kg | jede Baureihe |
| Oberschwaben & Ulm | ||
| Ravensburg | rund 70 kg | jede Baureihe |
| Ulm | rund 80 kg | jede Baureihe |
| Biberach | rund 95 kg | jede Baureihe |
| Alb & Baar | ||
| Villingen-Schwenningen | rund 270 kg | nur mit 350 kg Traglast |
| Albstadt (Ebingen) | rund 280 kg | nur mit 350 kg Traglast |
| Allgäu | ||
| Wangen im Allgäu | rund 285 kg | nur mit 350 kg Traglast |
| Leutkirch | rund 355 kg | über dem Katalogwert |
| Kempten | rund 375 kg | über dem Katalogwert |
Die Tabelle ist die Orientierung, nicht der Nachweis: Was an deinem Haus möglich ist, hängt zusätzlich von der Baugröße und der Situation am Gebäude ab. Die vollständigen Norm-Werte für 30 Städte der Region stehen im Ratgeber Schneelast bei Terrassenüberdachungen.
Zwei Dinge lassen sich daraus ablesen. Erstens gehören Leutkirch und Kempten mit 355 und 375 kg/m² zu den anspruchsvollsten Wohnlagen Deutschlands, und dort liegt der Norm-Wert über dem, was die Kataloge der gängigen Lamellendächer abdecken. Wir behaupten deshalb nicht, dass im höheren Allgäu jedes Lamellendach jede Last abdeckt. Was an deinem Standort möglich ist, klären wir im Beratungsgespräch, und manchmal ist die ehrliche Antwort ein Glasdach statt Lamellen.
Zweitens, und das ist der wichtigere Punkt: Schon der niedrigste Norm-Wert unserer Region liegt über dem, was ein großes Lamellendach im geschlossenen Zustand an Schnee tragen darf. Die Konstruktion hat Reserven, die geschlossene Lamellenfläche hat sie nicht. Daraus folgt die Winterregel.
Offen oder geschlossen? Die Lamellenstellung im Winter
Bei Schneefall gehören die Lamellen geöffnet, und zwar senkrecht, also in 90-Grad-Stellung. Dann fällt der Schnee zwischen den Lamellen hindurch, statt sich auf der Fläche zu sammeln. Das gilt unabhängig vom Hersteller und steht so auch in den Bedienungsanleitungen.
Entscheidend ist der Zeitpunkt. Das Zeitfenster liegt vor dem Schneefall, nicht danach.
| Situation | Lamellen | Warum |
|---|---|---|
| Trockener Wintertag, das Dach soll die Möbel schützen | geschlossen | Regen und Schneeregen laufen über Rinne und Pfosten ab |
| Schnee ist angekündigt oder fängt gerade an | öffnen, 90 Grad | auf der geschlossenen Fläche sammelt sich sonst Last |
| Schnee liegt schon auf den geschlossenen Lamellen | nicht mehr bewegen | die Lamellen tragen jetzt, Drehen kann Profile, Dichtungen und Antrieb beschädigen |
| Frost, Raureif oder Vereisung | nicht bewegen | Bedienung bei Frost ist nicht zulässig |
| Längere Abwesenheit im Winter | geöffnet lassen | du kannst nicht öffnen, wenn es schneit und du nicht da bist |
Der letzte Fall wird häufig übersehen. Ein geschlossenes Dach nützt nur, wenn jemand da ist, der es rechtzeitig öffnet. Wer über die Feiertage wegfährt, lässt die Lamellen offen stehen.
Und wenn du zu spät dran warst, der Schnee also schon oben liegt? Dann bleibt das Dach, wie es ist, und der Schnee kommt von unten herunter: mit einem Besen oder einem Dachabzieher vom Boden oder von der Leiter aus. Räumen ist übrigens auch dann richtig, wenn die Lamellen senkrecht stehen. Bei starkem Schneefall kann sich nämlich auch über offenen Lamellen eine geschlossene Schneedecke aufbauen.
Aus unserer Erfahrung ist das der häufigste Winterschaden am Lamellendach. Die Schneelast ist der Fall, vor dem alle warnen, aber sie führt selten zur Reparatur: Die meisten lassen ihr Dach im Winter zwar geschlossen, achten dann aber darauf, dass bei viel Schnee geräumt wird. Was wirklich Schaden anrichtet, ist der Griff zur Fernbedienung bei Frost. Die Lamellen sind angefroren, der Antrieb zieht trotzdem, und danach sind Dichtungen, Profile oder der Antrieb selbst zu reparieren.
Was du vor dem ersten Frost erledigst
Ein Lamellendach braucht keine Einwinterung im Sinne von Abbauen oder Abdecken. Drei Handgriffe lohnen sich trotzdem, und zwar solange es noch mild ist:
- Rinne und Abläufe frei machen. Laub aus dem Herbst sitzt genau dort, wo im Winter das Schmelzwasser durch muss. Bei den meisten Systemen läuft das Wasser durch die Pfosten ab, ein verstopfter Ablauf staut es in der Rinne.
- Die Winterstellung wählen, solange sich noch etwas bewegen lässt. Sitzt erst einmal Eis auf den Lamellen, bleibt die Stellung so, wie sie ist, oft für mehrere Tage.
- Klären, ob deine Steuerung selbst reagiert. Manche Lamellendächer fahren bei niedrigen Temperaturen automatisch ein Stück auf, damit die Lamellen nicht anfrieren. Andere Systeme tun das nicht: Ihre Wetterstation erfasst Wind, Niederschlag und Eis zwar, öffnet die Lamellen aber nicht von selbst. Frag im Zweifel nach, zu welcher Sorte dein Dach gehört. Bei der zweiten liegt die Winterstellung ganz bei dir.
Und eine Sache, die beim Glasdach anders ist: Ein Lamellendach wird nicht betreten. Die Lamellen sind statisch nicht dafür ausgelegt. Ein Terrassendach aus Glas hält das Betreten problemlos aus, bei der Montage stehen zeitweise mehrere Monteure darauf. Beim Lamellendach gilt das ausdrücklich nicht. Geräumt wird deshalb immer von unten, vom Boden oder von der Leiter aus.
Bleibt es im Winter dunkel unter dem Dach?
Geschlossene Lamellen sind blickdicht, daran ändert die Jahreszeit nichts. Im Winter fällt das stärker auf als im Juli, weil hinter der Terrasse oft das Wohnzimmerfenster liegt und die Sonne ohnehin flach steht.
Der Unterschied zum Glasdach ist trotzdem nicht der, den viele erwarten. Unter einem verschneiten Glasdach wird es dunkel, sobald der Schnee liegt, und daran lässt sich nichts ändern, bis er wieder weg ist. Beim Lamellendach genügt ein Griff zur Fernbedienung. Genau in der Winterstellung, die dieser Ratgeber empfiehlt, steht das Dach ohnehin offen und lässt Licht durch.
Wer die Terrasse im Winter dauerhaft hell und geschützt haben will, fährt mit einem Glasdach dennoch besser, weil es Licht durchlässt und gleichzeitig geschlossen bleibt.
Woran du ein ehrliches Angebot erkennst
Bei uns gehört beides zur Planung: Wir legen jedes Lamellendach auf den Norm-Wert der konkreten Adresse aus und sagen dazu, welche Baugröße welche Schneelast mitbringt. Wie das Dach an deinem Haus aussehen wird, zeigen wir dir vorher als 3D-Visualisierung.
Fazit
Ein Lamellendach ist ein hervorragendes Sommer- und Übergangsdach, und es bleibt das ganze Jahr draußen stehen. Ein Schneedach ist es nicht, und das ist kein Mangel, sondern Bauart. Die geschlossenen Lamellen tragen je nach Größe rund 50 bis 90 Kilogramm je Quadratmeter, der Norm-Wert deines Orts liegt darüber, und deshalb lautet die Winterregel: rechtzeitig öffnen, bei liegendem Schnee und bei Frost nicht mehr bewegen, nie hinaufsteigen. Wer das weiß, kommt mit seinem Dach durch jeden Winter zwischen Bodensee und Allgäu. Welche Konstruktion an deiner Adresse die richtige ist, rechnen wir vor dem Angebot durch, gern nach einem Termin in der Ausstellung.
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