Lamellendach · Ratgeber
Ist ein Lamellendach wasserdicht? Die geprüften Werte und die ehrlichen Grenzen

„100 Prozent wasserdicht" steht auf fast jeder Anbieterseite. In den Bauherren-Foren ist die eingeschränkte Regendichtigkeit gleichzeitig einer der häufigsten Gründe, sich gegen ein Lamellendach zu entscheiden. Beide Lager argumentieren ohne eine einzige Zahl. Dabei gibt es eine: Die Produktnorm für diese Dächer prüft den Regenschutz in Leistungsklassen, und die dafür übliche Klasse steht für 56 Liter je Quadratmeter und Stunde. In diesem Ratgeber steht, was diese Zahl bedeutet, was bei Starkregen wirklich passiert und welche zwei Dinge im Alltag darüber entscheiden, ob du trocken sitzt.
Das Wichtigste in Kürze
- Geschlossen hält ein Lamellendach Regen ab, und das ist geprüft: Die Produktnorm DIN EN 13561 kennt Leistungsklassen für die Regenmenge, die für Lamellendächer übliche Klasse steht für 56 Liter je Quadratmeter und Stunde. Hier geht es direkt zum Vergleich mit den Warnstufen.
- Der Deutsche Wetterdienst warnt ab über 40 Litern in einer Stunde vor extrem heftigem Starkregen. Die Prüfmenge liegt darüber.
- „Wasserdicht" ist trotzdem der falsche Begriff. Ein Lamellendach ist keine Dachabdichtung, die Regelwerke dafür gelten hier ausdrücklich nicht. Richtig ist regendicht.
- Wird die Menge überschritten, versagt nichts, es läuft über: Wasser tritt am Rand aus, statt durch die Rinne abzufließen.
- Der häufigste Grund für nasse Füße ist nicht der Regen, sondern der verstopfte Ablauf. Das deckt sich mit dem, was wir im Bestand sehen.
- Läuft die Entwässerung über eine einzige Stütze, kommt dort die ganze Dachfläche an. Wohin das Wasser von da weitergeht, gehört in die Planung und nicht auf die Baustelle.
Ist ein Lamellendach bei Regen wirklich dicht?
Geschlossen ja, und dafür gibt es eine Prüfung: Lamellendächer fallen unter die Produktnorm DIN EN 13561, geprüft wird nach DIN EN 1933. Die Norm kennt zwei Leistungsklassen für den Regenschutz, 17 und 56 Liter je Quadratmeter und Stunde. Für Lamellendächer ist die höhere der Maßstab.
Technisch passiert dabei Folgendes: Die Lamellen überlappen im geschlossenen Zustand und greifen ineinander. Jede Lamelle führt eine eigene Rinne, die das Wasser seitlich in den umlaufenden Rahmen leitet. Von dort läuft es innen durch die Stützen nach unten. An der Fassade ist davon nichts zu sehen, kein Fallrohr, kein Überlauf. Genau deshalb hält sich das Missverständnis, ein Lamellendach sei ein geschlossenes Dach.
Eine Einschränkung gehört sofort dazu: Die Prüfklasse gilt nur bei komplett geschlossenen Lamellen. Steht das Dach auch nur einen Spalt offen, ist es offen. Das klingt banal, ist im Alltag aber der Unterschied zwischen einem trockenen und einem nassen Tisch.
Wasserdicht oder regendicht: der Unterschied, den kaum jemand macht
„Wasserdicht" ist kein Werbewort, sondern ein Begriff aus der Abdichtungstechnik. Er beschreibt eine geschlossene Dichtungsebene nach den Regelwerken für Dachabdichtungen. Für ein Lamellendach gelten diese Regelwerke ausdrücklich nicht: Es ist eine bewegliche Aluminiumkonstruktion, kein in sich geschlossenes Dach und kein Wintergarten.
Praktisch heißt das wenig, aber das Wenige sollte man wissen: Möbel und Bodenbelag unter einem Lamellendach sollten für den Außenbereich taugen. Es bleibt ein Platz im Freien, nur ein sehr gut geschützter. Das gilt übrigens genauso unter einem Glasdach und in einem Kaltwintergarten: Auch dort zieht Feuchtigkeit herein, ein Wohnzimmer-Teppich hat da nichts verloren. Für draußen gibt es Teppiche, die das aushalten. Einen Bodenbelag wie drinnen setzt erst ein beheizter Wintergarten voraus.
Was passiert bei Starkregen?
Erst die Einordnung, dann die Antwort. 56 Liter je Quadratmeter und Stunde bleiben abstrakt, bis man sie neben die amtlichen Warnschwellen legt. Ein Liter je Quadratmeter entspricht dabei einem Millimeter Niederschlag.
| Was gemeint ist | Regenmenge je m² und Stunde |
|---|---|
| Prüfklassen nach DIN EN 13561 | |
| Leistungsklasse 1 | 17 Liter |
| Leistungsklasse 2, Maßstab für Lamellendächer | 56 Liter |
| Warnstufen des Deutschen Wetterdiensts | |
| Starkregen | 15 bis 25 Liter |
| heftiger Starkregen | über 25 bis 40 Liter |
| extrem heftiger Starkregen | über 40 Liter |
Die Prüfmenge liegt also oberhalb der Schwelle, ab der der Deutsche Wetterdienst vor extrem heftigem Starkregen warnt. Warema prüft die Dächer, die wir montieren, zusätzlich mit einem Regenereignis, wie es in Deutschland im Mittel alle zwei Jahre für höchstens fünf Minuten auftritt: umgerechnet gut 125 Liter je Quadratmeter und Stunde, allerdings eben nur fünf Minuten lang.
Und wenn doch mehr fällt? Dann passiert nicht das, was die meisten befürchten. Die Konstruktion nimmt keinen Schaden, das Ablaufsystem kommt schlicht nicht mehr hinterher, und das Wasser tritt am Rand aus, statt durch die Rinne zu laufen. Nasse Schuhe statt Bruch.
Aus unserer Praxis kommt die eigentliche Pointe: Wenn bei unseren Anlagen Wasser über die Rinne gelaufen ist, lag es nicht an der Regenmenge, sondern an einem verstopften Ablauf. Die Zahl aus der Norm ist selten das Problem. Das Laub darin schon.
Wohin läuft das Wasser?
Vom Dach in die umlaufende Rinne, von dort innen durch eine der Stützen nach unten, wahlweise über jede der Stützen. Interessant wird es dort, wo die meisten Ratgeber aufhören: unten am Boden. Zwei Varianten sind üblich.
| Variante | Was dafür nötig ist | Worauf es ankommt |
|---|---|---|
| Anschluss an die vorhandene Entwässerung | ein Rohr, das bauseits bis zur Stütze verlegt wird | etwas Vorarbeit und Kosten, dafür läuft das Wasser dauerhaft kontrolliert weg |
| Auslass über einen Speier | ein Auslass etwa 20 bis 30 Zentimeter über dem Boden, nach vorn oder zur Seite | der Untergrund muss die Menge aufnehmen können: Rasen, Beet oder Sickergrube |
Der Punkt, den fast niemand auf dem Schirm hat: Ein Lamellendach entwässert punktuell. Führen lässt sich der Ablauf zwar über jede Stütze, meist läuft er aber über eine einzige, und dann kommt dort die gesamte Dachfläche an. Rechne es einmal durch: Bei 25 Quadratmetern Dachfläche und der geprüften Regenmenge von 56 Litern sind das rund 1.400 Liter in der Stunde, gut 20 Liter je Minute an einer Stelle. Ob Rasen, Beet oder Sickergrube an genau dieser Stelle so viel aufnehmen, ist keine rhetorische Frage.
Wir empfehlen deshalb den Anschluss an die vorhandene Entwässerung. Das kostet dich etwas Vorarbeit, weil ein Rohr bis zur Stütze verlegt werden muss. Über die Jahre ist es die saubere Lösung, und die Fläche vor der Terrasse bleibt trocken.
Tropft es, wenn ich die Lamellen nach dem Regen öffne?
Es kann tropfen, und das ist normal. Auf den geschlossenen Lamellen steht nach einem Guss noch Wasser. Wer sie dann in einem Zug ganz aufdreht, kippt einen Teil davon nach unten.
Ganz vermeiden lässt sich das Tropfen nicht. Kondenswasser an der Unterseite der Lamellen gehört bei bestimmten Wetterlagen ebenfalls dazu. Beides ist keine Undichtigkeit, sondern Physik.
Was ist mit Regen von der Seite?
Ein Lamellendach schützt von oben. Die Seiten sind offen, solange du sie nicht schließt, und schräg fallender Regen kommt dort herein. Senkrechtmarkisen mit seitlicher Führung halten Wind und einen guten Teil des Regens ab, sie sind aber kein dichter Abschluss. Dasselbe gilt für seitliche Glasschiebeelemente: Sie machen aus der Terrasse einen windgeschützten Platz, keinen geschlossenen Raum.
Ein praktischer Hinweis dazu: Fährst du eine Senkrechtmarkise nass ein, tropft sie später aus. Besser ist, sie bei der nächsten trockenen Gelegenheit noch einmal zum Trocknen auszufahren.
Und der ehrliche Satz, den du auf Anbieterseiten selten findest: Wenn du bei Regen freien Blick nach oben und trotzdem ein dichtes Dach willst, ist Glas die bessere Wahl. Ein Lamellendach ist genau dann dicht, wenn es zu ist.
Ist es laut, wenn es regnet?
Hörbar ist es. Regen auf Aluminium erzeugt ein Prasseln, dessen Lautstärke von der Regenintensität und der Ausführung des Dachs abhängt. In den Beurteilungsmaßstäben der Branche gilt das ausdrücklich als normale Eigenschaft und nicht als Mangel.
Aus unserem Bestand können wir dazu sagen: Beanstandet hat es bisher niemand. Wer empfindlich auf Geräusche reagiert, spricht das Thema am besten im Beratungsgespräch an.
Laub, Rinnen und Abläufe: woran es wirklich hängt
Ein- bis zweimal im Jahr Rinne und Abläufe kontrollieren, das ist die Regel. Wie oft es wirklich sein muss, entscheidet die Umgebung: Stehen Bäume in der Nähe, die im Herbst abwerfen, solltest du öfter nachsehen. Steht die Terrasse frei, kommst du unter Umständen mit sehr wenig aus.
Zum Reinigen reicht meistens eine weiche Bürste, gegen hartnäckigen Schmutz warmes Wasser mit einem pH-neutralen Reiniger. Was du nicht nehmen solltest: Hochdruckreiniger und Dampfstrahler. Sie beschädigen die Oberfläche, und bei den meisten Herstellern entfällt damit die Gewährleistung. Und weil die Frage kommt: Ein Lamellendach ist nicht begehbar, die Lamellen sind statisch nicht dafür ausgelegt. Gearbeitet wird vom Boden oder von der Leiter aus.
Im Winter kommt ein zweiter Grund dazu, die Abläufe frei zu halten. Bei Temperaturen um den Gefrierpunkt kann der Ablauf zufrieren, und aufgestautes Wasser setzt Profilen und Rohren zu. Was in der kalten Jahreszeit sonst noch gilt, steht im Ratgeber Lamellendach im Winter.
Woran du erkennst, dass es an der Montage liegt
Die Norm beschreibt das Produkt. Ob dein Sitzplatz trocken bleibt, entscheidet sich bei der Montage. Drei Punkte tragen das.
Das Gefälle. Die Dachfläche braucht ein sauberes, gleichmäßiges Gefälle zur Rinne. Stimmt es nicht genau, bleibt Wasser stehen und tropft an einer beliebigen Stelle ab. Das ist der Fehler, den man in Foren am häufigsten beschrieben findet, und er lässt sich nachträglich nur mit Aufwand korrigieren.
Der Wandanschluss. Wo das Dach ans Haus stößt, entsteht eine Fuge, die abgedichtet werden muss. Der Hersteller haftet dafür nicht, weil er den Untergrund vor Ort nicht kennt, und mancher Betrieb reicht diesen Teil weiter. Bei uns gehört die Abdichtung zum Gebäude in aller Regel zur Montage; nur in besonderen Situationen holen wir einen Flaschner dazu. Eines solltest du dazu wissen: Das ist eine Wartungsfuge. Dichtstoffe altern, deshalb gehört sie bei der jährlichen Runde mit angeschaut, genau wie die Abläufe.
Das Wasser vom Hausdach. Das sieht man immer wieder: Die Dachfläche des Hauses entwässert einfach auf das Lamellendach darunter. Dafür ist dessen Rinne nicht gemacht. Sie ist auf die eigene Fläche ausgelegt, nicht zusätzlich auf ein komplettes Hausdach, und läuft dann bei jedem kräftigen Regen über. Das Hausdach gehört in seine eigene Rinne mit eigenem Ablauf, auch wenn darunter ein Lamellendach steht.
Was bei uns tatsächlich reklamiert wird
Zwei Gründe, und beide haben nichts mit der Regenmenge zu tun. Der eine ist der verstopfte Ablauf. Der andere ist die Erwartung: Wer ein geschlossenes Dach im Kopf hatte, bekommt einen sehr guten Regenschutz und empfindet ihn als zu wenig. Häufig ist beides nicht, aber wenn etwas kommt, ist es fast immer einer dieser beiden Fälle.
Deshalb steht die Grenze in diesem Ratgeber so deutlich. Ein Dach, das man richtig eingeschätzt hat, enttäuscht nicht.
In dieselbe Kategorie gehört ein letzter Punkt: Die Wetterstation, die das Dach bei einsetzendem Regen von selbst schließt, wird bei uns eher selten mitbestellt. Wer sie weglässt, sollte wissen, was das bedeutet. Steht das Dach offen und niemand ist zu Hause, bleibt es offen.
Fazit
Ein Lamellendach ist geschlossen regendicht, und anders als fast überall behauptet lässt sich das mit einer Zahl belegen: 56 Liter je Quadratmeter und Stunde nach DIN EN 13561, mehr als die Menge, ab der der Wetterdienst vor extrem heftigem Starkregen warnt. Was es nicht ist: eine Dachabdichtung. Wer diesen Unterschied kennt, bekommt ein Dach, das im Alltag trocken hält, und wird beim einen Wolkenbruch im Jahr nicht überrascht.
Die zwei Dinge, die wirklich darüber entscheiden, liegen nicht am Produkt: ein sauber ausgeführtes Gefälle mit dichtem Wandanschluss und ein Ablauf, der frei ist. Wohin das Wasser unten hinläuft, klären wir im Beratungsgespräch, bevor der erste Pfosten steht. Realisierte Anlagen aus der Region findest du in unseren Projektberichten, alles zum System auf unserer Lamellendach-Seite.
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